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Sie haben täglich nicht nur mit viel Geld zu tun, sondern sind
für viele auch Handlanger des Schicksals. Als Herren über den
Roulette- oder Blackjack-Tisch haben Croupiers das Glück wortwörtlich
in der Hand.
Ein großer Raum mit Teppichen am Boden und Mahagoni-Spieltischen.
Ein Klavierspieler, der für eine angenehme Hintergrundmusik sorgt.
Das Kullern der Roulette-Kugel am Spieltisch. Aufgeregtes Geraune
der Spieler, die in letzter Sekunde noch auf ihre Glückszahl setzen,
und die anschließende gespannte Stille, bis die Kugel fällt.
So oder so ähnlich fällt der erste Eindruck beim Casino-Besuch
aus. Die stilvolle und seriös zurückhaltende Welt der Casinos
ist ja nicht erst seit den James-Bond Filmen mit Glitzer und Glamour
verbunden.
Wieviel haben diese Vorstellungen aber mit der Realität zu tun?
Wieviel bleibt von dem Glitzer übrig, wenn man täglich zwischen
15 und 3 Uhr in der Früh sieben bis neun Stunden an den Spieltischen
arbeitet? Rudolf Rohrer, seit 32 Jahren im Casino tätig, und mittlerweile
vom einfachen Croupier zum Inspektor aufgestiegen, sieht die Sache
eher pragmatisch: Man muß den Versuch machen, Abstand zu halten".
Wenn die Bauern mit ihren abgearbeiteten Händen kämen und auch
noch den letzten Zwanziger von ihrem hart verdienten Geld verspielten,
empfinde man zwar Mitleid, aber helfen könnte man auch nicht.
Andererseits sind auch für den erfahrenen Croupier die großen
Gewinner ein Erlebnis: Aber Man sieht des nicht als Geld", wenn
da einer so hoch gewinne. Die Jetons würden dem Geld einen spielerischen
Charakter geben, dem sich Spieler und Croupiers nur bis zu einem
gewissen Grad entziehen können. Denn wenn Geldscheine ins Spiel
kämen, würde auch so manchem langgedienten Glücksspielprofi anders:
Rudolf Rohrer erinnert sich an einen Stammkunden, der ihm einmal
beim Setzen 100.000 Schilling in Bar hingeworfen, und ihn damit
auch leicht aus der Fassung gebracht hätte.
Die Freude über hohe Gewinne würde im Casino allerdings kaum offen
ausgelebt: Der Chausseur Dieter, der als Kellner den Gästen Getränke
serviert, weiß von keinen großen Feiern zu berichten. Zwar gratuliere
die Direktion, doch sonst werde alles eher ruhig gehalten. Auch
große Verlierer trügen ihr Schicksal mit Fassung, größere Probleme
habe es noch nie gegeben.
Freunde gewinne man allerdings auch unter jahrelangen treuen Kunden
keine: Auch wenn man per Du sei und sich regelmäßig am Spieltisch
treffe, müsse man als Croupier doch immer noch genug Abstand wahren.
Man muß sagen können, 'Du hast falsch gesetzt' ", meint Rohrer
dazu. Denn im Casino wird die Gleichbehandlung der Spieler großgeschrieben:
Man muß vorsichtig sein, nicht irgendeinen zu bevorzugen".
Überhaupt habe man als Croupier relativ wenig mit den Leuten zu
tun: Das Spiel fordere sehr viel Konzentration, sodaß für Gespräche
keine Zeit bleibe. Erst mit seinem Aufstieg zum Inspektor, der
die korrekte Abwicklung des Glückspiels überwacht, habe er mehr
Gelegenheit zum direkten Kontakt mit den Besuchern. |