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Nachtarbeit bei der Post
Finster war`s, der Mond schien helle und ich begab mich auf
meinen nächtlichen Ausflug. Auf meinem Programm standen zwei
Besuche: einer bei der Telefonauskunft und ein anderer bei der
Briefumleitung der Post und Telekom.
Mehr als Rufnummern
Der erste Stop führte mich in den vierten Stock der Telefonauskunft in der Alpenstraße.
Als ich den Raum betrat herrschte dort reges Arbeiten, so daß
ich erst nach einiger Wartezeit mit den Bediensteten ins Gespräch
kommen konnte und Zeit hatte, die Stimmung wahrzunehmen.
Ich sah viele unbesetzte Computer. Nur einige Lichter brannten,
der Rest lag im Dunkeln. Bunte Vorhänge schmückten den Raum. Weiters
fiel mir eine große Tafel mit den wichtigsten und aktuellen Rufnummern
auf. Eine dieser Nummer gehörte dem Zirkus, der gerade in Salzburg
gastierte.
Nur zu zweit müssen wir in der Nacht die gewünschten Anfragen
bewältigen", beteuerte Herr R. Weiters meinte dieser: Die größte
Nachfrage in der Nacht betrifft natürlich den Weckdienst. Für
15 S wird man um die angegebene Uhrzeit vom Computer geweckt.
Außerdem müssen die Bediensteten über geographische Kenntnisse
und Allgemeinwissen verfügen, weil auch andere Auskünfte verlangt
werden. Bei Anfragen nach Telefonnummern in der Nacht reihen sich
Wirtshäuser und Gaststätten vor Bars und Apotheken. Gerade um
die Weihnachtszeit passiert es schon, daß vor allem Kinder, nach
der Telefonnummer des Christkindes fragen.
Nach drei absolvierten Nachtstunden, d.h. ab Mitternacht, kann
sich jeweils eine Person für wiederum drei Stunden schlafen legen.
Durch diese Schlafmöglichkeit bereitet mir der Nachdienst keine
Schwierigkeiten, meinte Frau F.
Was sonst noch so in der Nacht passiert: Besoffene rufen uns
ständig um die Taxinummer an, Verzweifelte brauchen dringend die
Nummer der Telefonseelsorge, Leute die sich ausgesperrt haben,
fragen nach dem Schlüsselnotdienst. Auf die Anfragen nach Sex-Hotline-Nummern
können und dürfen wir keine Auskunft geben.
Bei Schlagern geht die Post ab
Meine nächste Station führte mich in den zweiten Stock des Bahnhofspostamtes,
in die Briefumleitung. Dort herrschte reges Briefe sortieren und herumeilen. In der
Nacht muß am meisten Post weitergebracht werden, so der Abteilungsleiter.
Beim Hören von Radio Arabella geht in der Briefumleitung wortwörtlich
die Post ab.
Aber warum arbeiten die Leute in der Nacht am Postamt? Wenn ich
die ganze Nacht durchgearbeitet habe, stehen mir zwei freie Tage
zur Verfügung. Das bedeutet mehr Freizeit auch unter der Woche,
so Herr H. Ein weiterer Grund der Nachtarbeit stellt natürlich
der finanzielle Anreiz dar. Ich verdiene durch den Nachtdienst
erheblich mehr als so mancher im Tagdienst, meinte Herr W.
Trotz einer Pause von Mitternacht bis 1Uhr fördert das künstliche
Licht in der Nacht laut Abteilungsleiter die Müdigkeit und beeinträchtigt
das Sehverhalten. Weitere Nachteile bereitet besonders der Wochenend-
Nachtdienst. Hat man Familie, wird durch diesen Wochenenddienst
einiges versäumt, so Frau S. Die unregelmäßigen Schlafzeiten
hingegen sind anscheinend nur Gewöhnungssache.
Der Nachtdienst der Post ist ein wichtiger Bestandteil unseres
täglichen Lebens. Denn gäbe es ihn nicht, würden wir nicht jeden
Morgen unsere Post erhalten, könnten keine Telefonnummern nachgefragt
und kein Weckruf in Auftrag gegeben werden.
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