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02.12.98: Night.Shift -- Seite 1
Vom Christkind bis zu Radio Arabella

Nachtarbeit bei der Post 
  

”Finster war`s, der Mond schien helle“ und ich begab mich auf meinen nächtlichen Ausflug.  Auf meinem Programm standen zwei Besuche: einer bei der Telefonauskunft und ein anderer bei der Briefumleitung der Post und Telekom. 

Mehr als  Rufnummern 

Der erste Stop führte mich in den vierten Stock  der Telefonauskunft in der Alpenstraße. 
Als ich den Raum betrat herrschte dort reges Arbeiten, so daß ich erst nach einiger Wartezeit mit den Bediensteten ins Gespräch kommen konnte und Zeit hatte, die Stimmung wahrzunehmen. 
Ich sah viele unbesetzte Computer. Nur einige Lichter brannten, der Rest lag im Dunkeln. Bunte Vorhänge schmückten den Raum. Weiters fiel mir eine große Tafel mit den wichtigsten und aktuellen Rufnummern auf. Eine dieser Nummer gehörte dem Zirkus, der gerade in Salzburg gastierte. 

”Nur zu zweit müssen wir in der Nacht die gewünschten Anfragen bewältigen", beteuerte Herr R. Weiters meinte dieser: ”Die größte Nachfrage in der Nacht betrifft natürlich den Weckdienst. Für 15 S wird man um die angegebene Uhrzeit vom Computer geweckt. 
Außerdem müssen die Bediensteten über geographische Kenntnisse und Allgemeinwissen verfügen, weil auch andere Auskünfte verlangt werden. Bei Anfragen nach Telefonnummern in der Nacht reihen sich Wirtshäuser und Gaststätten vor Bars und Apotheken. ”Gerade um die Weihnachtszeit passiert es schon, daß vor allem Kinder, nach der Telefonnummer des Christkindes fragen“. 
Nach drei absolvierten Nachtstunden, d.h. ab Mitternacht, kann sich jeweils eine Person für wiederum drei  Stunden schlafen legen. ”Durch diese Schlafmöglichkeit bereitet mir der Nachdienst keine Schwierigkeiten“, meinte Frau F. 
Was sonst noch so in der Nacht passiert: ”Besoffene rufen uns ständig um die Taxinummer an, Verzweifelte brauchen dringend die Nummer der Telefonseelsorge, Leute die sich ausgesperrt haben, fragen nach dem Schlüsselnotdienst. Auf die Anfragen nach Sex-Hotline-Nummern können und dürfen wir keine Auskunft geben“. 

Bei Schlagern geht die Post ab 

Meine nächste Station führte mich in den zweiten Stock des Bahnhofspostamtes, in die Briefumleitung. Dort herrschte reges Briefe sortieren und herumeilen. ”In der Nacht muß am meisten Post weitergebracht werden“, so der Abteilungsleiter. Beim Hören von Radio Arabella geht in der Briefumleitung wortwörtlich die Post ab. 
Aber warum arbeiten die Leute in der Nacht am Postamt? ”Wenn ich die ganze Nacht durchgearbeitet habe, stehen mir zwei freie Tage zur Verfügung. Das bedeutet mehr Freizeit auch unter der Woche“, so Herr H. Ein weiterer Grund der Nachtarbeit stellt natürlich der finanzielle Anreiz dar. ”Ich verdiene durch den Nachtdienst erheblich mehr als so mancher im Tagdienst“, meinte Herr W. 

Trotz einer Pause von Mitternacht bis 1Uhr fördert das künstliche Licht in der Nacht laut Abteilungsleiter die Müdigkeit und beeinträchtigt das Sehverhalten. Weitere Nachteile bereitet besonders der Wochenend- Nachtdienst. ”Hat man Familie, wird durch diesen Wochenenddienst einiges versäumt“, so Frau S. Die unregelmäßigen Schlafzeiten hingegen sind anscheinend nur ”Gewöhnungssache“. 

Der Nachtdienst der Post ist ein wichtiger Bestandteil unseres täglichen Lebens. Denn gäbe es ihn nicht, würden wir nicht jeden Morgen unsere Post erhalten, könnten keine Telefonnummern nachgefragt und kein Weckruf in Auftrag gegeben werden. 

Bettina Jennel

 

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