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04.12.98: Clap -- Seite 1
Theater mit Haenden

Es ist der Vorabend des 50. Hochzeitstages. Ein altes Ehepaar, Werner und Rosemarie, diskutiert  ueber die Vorbereitungen zur morgigen Feier. Wie das bei aelteren Leuten oft so ueblich ist, richtet sich ihr Blick in die Vergangenheit. Diese kleine persoenliche Reise entwickelt sich zu einem "oral-history-trip". 

Gesprochen wird ueber die Jugendzeit der beiden Ergrauten in den 30-er Jahren, die Herrschaft der Nationalsozialisten (Gehoerlose "durften" waehlen zwischen Sterilisation oder der Verwahrung in Heimen mit anschliessender Euthanasie), das Leben im kalten Krieg, die Verwandten im Osten bis zum Fall der Mauer 1989.  

Aufgerollt werden aber auch persoenliche Erlebnisse: die erste Liebe von Rosemarie, die sich selbst achtel-juedisch, in einen jungen Juden verliebt hat. Der junge Mann wird eines Tages von der SS abgeholt. Als Werner ein Fenster in die Vergangenheit oeffnet, erfahren wir, dass er, blind vor Eifersucht und dem Bestreben seine Angebetete zu retten, ihren Freund "geopfert" hat. 

Als wir zurueckgeholt werden in die Gegenwart, konfrontiert uns das Stueck mit vergleichsweise bekannten Themen: dem sprichwoertlichen Geiz alter Menschen, der aus der Armut nach dem Krieg resultiert, oder der schlechten Verfassung alter, verlebter Koerper. 

"Der Vorabend des 50. Hochzeitstags" ist ein Stueck, das neben der Leichtigkeit, mit der die verschiedensten Themen miteinander verwoben sind, auch durch seine schauspielerische Darbietung besticht. Mimik, Gestik und Gebaerden fuegen sich zu einem harmonischen Ganzen, das auch dem ueblicherweise mit den Ohren hoerendem Publikum erlaubt, einmal mit den Augen zu hoeren.

Wie dieses Stueck entstand 

Ein Schauspiel und ein Hoerspiel werden zu einem Theatererlebnis. Zwei gehoerlose SchauspielerInnen gebaerden auf der Buehne, zwei hoerende SchauspielerInnen uebersetzen aus dem Off fuer das hoerende Publikum in die Lautsprache. Eine Methode,  die an den Entstehungsprozess des Stuecks erinnert. 

Volkmar Jaeger, selbst gehoerlos, schreibt mit seinen Haenden ein Stueck in seiner Muttersprache, der Gebaerdensprache. Dina Tabbert, Schauspielerin und Gebaerden-Dolmetscherin, uebersetzt das Stueck in die deutsche Sprache. So verfassen sie gemeinsam ein Theaterstueck, das die sichtbare Welt der Gehoerlosen mit der nichtsichtbaren Welt der gesprochenen Sprache verbindet. 

 

B. Palecek als Rosemarie
Was gibt's heute sonst noch? 

  
Interview mit 
Brigitta Palecek und Werner Moessler
 

Zur Entwicklung der Gebaerdensprache 

 

 
LINK: 

Schule fuer Taubstumme

 

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