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Es ist der Vorabend des 50. Hochzeitstages. Ein altes Ehepaar,
Werner und Rosemarie, diskutiert ueber die Vorbereitungen zur
morgigen Feier. Wie das bei aelteren Leuten oft so ueblich ist,
richtet sich ihr Blick in die Vergangenheit. Diese kleine persoenliche
Reise entwickelt sich zu einem "oral-history-trip".
Gesprochen wird ueber die Jugendzeit der beiden Ergrauten in den
30-er Jahren, die Herrschaft der Nationalsozialisten (Gehoerlose
"durften" waehlen zwischen Sterilisation oder der Verwahrung in
Heimen mit anschliessender Euthanasie), das Leben im kalten Krieg,
die Verwandten im Osten bis zum Fall der Mauer 1989.
Aufgerollt werden aber auch persoenliche Erlebnisse: die erste
Liebe von Rosemarie, die sich selbst achtel-juedisch, in einen
jungen Juden verliebt hat. Der junge Mann wird eines Tages von
der SS abgeholt. Als Werner ein Fenster in die Vergangenheit oeffnet,
erfahren wir, dass er, blind vor Eifersucht und dem Bestreben
seine Angebetete zu retten, ihren Freund "geopfert" hat.
Als wir zurueckgeholt werden in die Gegenwart, konfrontiert uns
das Stueck mit vergleichsweise bekannten Themen: dem sprichwoertlichen
Geiz alter Menschen, der aus der Armut nach dem Krieg resultiert,
oder der schlechten Verfassung alter, verlebter Koerper.
"Der Vorabend des 50. Hochzeitstags" ist ein Stueck, das neben
der Leichtigkeit, mit der die verschiedensten Themen miteinander
verwoben sind, auch durch seine schauspielerische Darbietung besticht.
Mimik, Gestik und Gebaerden fuegen sich zu einem harmonischen
Ganzen, das auch dem ueblicherweise mit den Ohren hoerendem Publikum
erlaubt, einmal mit den Augen zu hoeren.
Wie dieses Stueck entstand
Ein Schauspiel und ein Hoerspiel werden zu einem Theatererlebnis.
Zwei gehoerlose SchauspielerInnen gebaerden auf der Buehne, zwei
hoerende SchauspielerInnen uebersetzen aus dem Off fuer das hoerende
Publikum in die Lautsprache. Eine Methode, die an den Entstehungsprozess
des Stuecks erinnert.
Volkmar Jaeger, selbst gehoerlos, schreibt mit seinen Haenden
ein Stueck in seiner Muttersprache, der Gebaerdensprache. Dina
Tabbert, Schauspielerin und Gebaerden-Dolmetscherin, uebersetzt
das Stueck in die deutsche Sprache. So verfassen sie gemeinsam
ein Theaterstueck, das die sichtbare Welt der Gehoerlosen mit
der nichtsichtbaren Welt der gesprochenen Sprache verbindet. |