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03.12.98: Stadt-Menschen -- Seite 1
Ein Mann, der unter die  
Haut geht

Tattoos: Ausdruck eines bestimmten Lebensgefuehls, Schmuck, Provokation oder Kunst? Diese Woche haben wir den Inhaber des einzig offiziellen Tattoo-Studios der Stadt ueber Salzburg, seinen Beruf und andere Themen, die unter die Haut gehen befragt.  
                                                                
Wenn man das Tattoostudio von Leo – Bernhard Leopold - in der Muellner Hauptstrasse betritt, hat man eher das Gefuehl, in einem Esoterikladen gelandet zu sein. Ein riesiges Buddhagemaelde ziert die Wand, das  Aquarium vermittelt eine beruhigende Atmosphaere und ausgewaehlte Hintergrundmusik uebertoent das beaengstigende Geraeusch der Taetowierpistole. 

Kuenstlerisch begabt muss man auf jeden Fall sein, um als Taetowierer arbeiten zu koennen, meint Leo auf die Frage, welche Voraussetzungen man fuer diesen Beruf benoetigt, antwortet Leo, dass man auf jeden Fall kuenstlerisch begabt sein muss, um als Taetowierer arbeiten zu koennen. Zum Taetowieren kam er auf Umwegen: schliesslich war er bereits Porzellanmaler bei Augarten, dann Student an der Hochschule fuer angewandte Kuenste. Durch Zufall lernte er einen Taetowierer kennen, dessen Handwerk ihn so sehr faszinierte, dass er von der Verschoenerung von Tellern auf die Verschoenerung von Menschen umstieg: 

”Taetowierung ist eine Art von Schmuck, die Tendenz geht eher in Richtung koerperbetonende Tattoos, also nicht mehr nur einzelne Motive wie die klassische Rose, sondern Ornamente, die Koerperkonturen hervorheben.“ 

Erfahrungen in der Kunst des Taetowierens sammelte Bernhard Leopold auf der ganzen Welt. Er arbeitete bereits in diversen Studios in Europa und Amerika, bevor er sich vor drei Jahren  in Salzburg niederliess.   

Bei der Studiogruendung bewies er Ausdauer. Der Behoerdenweg zog sich ueber ein Jahr lang hin. Die Auflagen des Gesundheitsamtes sind sehr streng.  Besonders die Hygienevorschriften muessen genau eingehalten werden. Wichtig ist, dass frische Nadeln verwendet werden, die im Autoclaf (Hochdrucksterilisator) sterilisiert wurden und erst unmittelbar vor der Arbeit aus der Autoclaffolie ausgepackt werden. 
Deshalb ist er bis jetzt auch der einzig Offizielle in Salzburg.  

Seine Professionalitaet schaetzen auch seine Kunden, die aus allen Alter- und Gesellschaftsklassen kommen. Leo ist sich seiner Verantwortung ihnen gegenueber durchaus bewusst, schliesslich praegt seine Kunst ja fuers Leben. ”Wenn ich eine feucht-froehliche Nacht hinter mir habe, kann es schon sein, dass ich einmal einen Termin absage.“ 

Leos kuenstlerische Bandbreite reicht von vorgegebenen Motiven bis hin zu selbstkreierten ”Gemaelden“, die er garantiert stichfest und farbecht auf dem Ruecken seiner Kunden verewigt. 

 

Ein Mann, der unter die Haut geht
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