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8.12.98: Ethnolinks -- Seite 1
Das Amt fuer oeffentliche Ordnung

Hier ist Warten nicht absurd, sondern zukunftsweisend. Atmosphaerische Eindruecke.

Eine Flut gruener Metallstuehle, die durch einen wandgrossen Spiegel ins fast unendliche multipliziert wird. Das erste was auffaellt. Die Leute im Warteraum des Amts fuer oeffentliche Ordnung scheinen eher zweitrangig zu sein, sie gehen fast unter. Zwischen den Sitzreihen, die stark an Kino erinnern und in Richtung der automatischen Nummerntafel arrangiert sind, brabbelt ein Knirps umher.

Seine Mutter versinkt in der Tiefe von Antragsformularen und Dokumenten. Ob er ahnt, dass seine Zukunft davon abhaengt ?

Keiner der hier Anwesenden hat einen Blick fuer die wunderbare Aussicht.Sieht aus wie eine Kitschpostkarte der Stadt Salzburg. Doch eine Postkarte bekommt man von einem Ort, an dem man nicht ist. In Salzburg moechte man bleiben. War gruen nicht die Farbe der Hoffnung?

Kleine Grueppchen von Maennern unterhalten sich in ihrer Muttersprache. Ein Interview moechten sie eigentlich nicht machen.

"Der Mann am Infoschalter weiss alles, was wichtig ist".

Sie koennen sich gar nicht vorstellen, dass wir an ihnen interessiert sind. Sie sind hier doch nicht wichtig. Sicher kein schoenes Gefuehl. Ein anderer junger Mann hat sich oesterreichische Unterstuetzung mitgenommen. Zu zweit geht's wohl leichter.

Von Zeit zu Zeit macht es Klick, die naechste Nummer ist dran und einer der Wartenden erhebt sich und wartet auf den Summer, der ihm die Tuer oeffnet. Alles hat seine Ordnung. Alles scheint hier geregelt zu sein. Es kommt zwar keine richtige Stimmung auf, aber das muss ja eigentlich auch nicht sein. Amuesieren kann man sich woanders. Und da das Leben wohl immer genuegend Spannung und Ueberraschungen zu bieten hat, ist man hier froh, dass man einfach nur in Ruhe warten kann.

Die Hoffnung lebt ja trotzdem weiter. 

 

 

 



Sympatisch und tolerant: Frau Trattnig an ihrem Arbeitsplatz.
Was gibt's heute sonst noch? 

  
Interview mit
Antragsteller

Interview mit Sachbearbeiterin

Ueber das Amt fuer oeffentliche Ordnung


Das Amt fuer oeffentliche Ordnung im Kieselgebaeude in der St.-Julien-Strasse


"Kindliche" Abwechslung zwischen langweiligen Sesselreihen.


Alles hat hier seine Ordnung.


Dr. Michael Haybaeck

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