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24.11.98: Ethnolinks
St. Josef - Ein interkulturelles Heim

 

St. Josef - kein gewöhnliches Heim für Studierende, sondern ein Ort, an dem man lernt "miteinander zu leben". Studenten aus aller Welt erfahren hier, wie einfach oder schwierig es ist, kulturelle Unterschiede  
zu überwinden. 

Bei einem Spaziergang durch die Salzburger Altstadt begegnet man Touristen aus aller Welt.  
Die Unterschiede zwischen den Kulturen werden auf den ersten Blick offensichtlich: schüchterner Japaner trifft selbstbewußten Amerikaner und lauten Italiener.  
Um wieviel interessanter aber wäre es, mit all  
diesen Leuten zusammenzuleben?  
Die StudentInnen des Heim St. Josef haben die Möglichkeit, diese Erfahrungen zu machen.  
St. Josef ist in seiner Idee einzigartig in Österreich.  
Der von Anfang an geltende Grundsatz, 50% der 44 Heimplätze an StudentInnen aus dem Ausland, v.a. aus Afrika, Asien, Lateinamerika und dem ehemaligen Ostblock und 50% an InländerInnen zu vergeben, soll in Zeiten der AusländerInnenfeindlichkeit und der  
Angst vor "Überfremdung" der Beweis dafür sein, daß Zusammenleben von Menschen  
unterschiedlichster Kulturen und Nationalitäten gelingen kann.  
                                                                   
Ein wesentlicher Grundsatz dieses Hauses ist die völlige Gleichstellung von In- und AusländerInnen in ihren Rechten und Vertretungsmöglichkeit, in der Heimvertretung in internen Angelegenheiten mitzubestimmen und die Verantwortung mitzutragen. Ghettobildungen – welcher Art auch immer – werden dadurch vermieden, daß ÖsterreicherInnen und AusländerInnen in den Flügeln der vier Stockwerke zusammen wohnen. Alle BewohnerInnen haben somit  
die Gelegenheit, Kultur, Sprache und  
Lebensgewohnheiten der anderen kennenzulernen und zu akzeptieren. Denn nur so kann "miteinander leben" funktionieren.  
Die BewohnerInnen des StudentInnenheimes werden durch das Zusammenleben auf engstem Raum für die Probleme von AusländerInnen sensibilisiert und damit konfrontiert, daß multi – kulturelles Zusammenleben kein "rosaroter" Traum voll Harmonie, Friede und Einheitsbrei ist, sondern an harte Grenzen stößt.  
Es bringt Probleme und Schwierigkeiten mit sich, die von allen Beteiligten Mut, Konfliktfähigkeit und Toleranz abverlangt. Soziales Engagement, politisches Denken und Selbständigkeit werden von jedem einzelnen gefordert, um die Idee einer interkulturellen Gesellschaft umsetzen zu können.  
Seit der Eröffnung im Herbst 1992 haben  
150 Menschen aus allen Erdteilen dieses Heim  
bereichert und die Idee des "interkulturellen Miteinander" verwirklicht.    

Ein großes Kloster in der Hellbrunnerstraße.  
Beim ersten Blick fällt uns nichts offensichtlich  
besonderes oder außergewöhnliches auf.  
Doch schon beim Betreten des Klosters wird uns klar:  
Hier begegnen wir keineswegs einer Nonne, sondern Leuten aus aller Welt. Leuten, die zusammen kochen, essen, tanzen, streiten, feiern…einfach alles machen.  
Wir haben uns erkundigt und nachgefragt, wie man sich als Student oder Studentin in einem solchen Heim fühlt?  

Montfort Nibize aus Burundi: "Ich wollte einfach ins Ausland fahren, Deutsch lernen und neue Leute treffen. Ich war schon in Salzburg und habe auf der Uni einen Freund getroffen, der hier gewohnt hat.  
Jetzt bin ich schon drei Jahren da und finde es gut, daß es so was gibt. Ich habe hier verschiedene Nationalitäten, Sprachen und Kulturen kennengelernt.  
Das gefällt mir sehr. Ich mag aber nicht, wenn  
Österreicher Dialekt sprechen und ich überhaupt nichts verstehen kann. Es ist für mich anders hier zu sein, als zum Beispiel für einen Arbeiter.  
Ich studiere hier, bin bewußt weg von zu Hause und habe ein Ziel. Die Leute die für immer da bleiben und vielleicht nur schlecht Deutsch sprechen, fühlen sich sicher anders. Ich denke, daß das auch von der Person abhängt. Wenn ich viele Freunde habe, offen  
bin und aus mir herausgehe, dann fühle ich mich nicht allein…aber eines steht fest: zu Hause bleibt immer zu Hause!"  

Rosmarie Wagner aus Freistadt: "Ich denke, daß in St. Josef meistens Leute wohnen, die sich für andere Kulturen interessieren. Ich habe immer daran geglaubt, daß eine multikulturelle Gesellschaft möglich ist. Es ist nicht immer einfach, hier zu wohnen, aber man lernt seine Grenzen kennen. Ich sehe mir nun die Nachrichten bewußter an, weil ich Leute aus verschiedenen Ländern kenne und so auch mit ihnen diskutieren kann. Ich denke, es wäre besser, wenn Österreicher die Ausländer persönlich kennenlernen würden. Es würde das Verhältnis entschieden verbessern. Wenn man ähnliche Interessen hat, sind bestimmte Dinge, wie die Nationalität oder die Herkunft nicht wichtig. Die Unterschiede sind nicht mehr so groß."  

Die Brücke – ein Verein zur Unterstützung und  
Begleitung von Flüchtlingen ist einer der  
Arbeitskreise, die im Rahmen der Katholischen Hochschulgemeinden bestehen. Es werden  
immer wieder verschiedene Aktivitäten veranstaltet, an denen die StudentInnen von St. Josef teilnehmen. Robert Korec aus Lienz, auch Heimbewohner, ist leitender Mitarbeiter des Vereins: "Die Brücke bietet jährlich drei Flüchtlingen für ein Studienjahr Unterkunft und Betreuung, um ihnen Integration und den Aufbau einer Lebensgrundlage zu ermöglichen. Unsere weiteren Arbeitsbereiche sind Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit,  
die Betreuung entlassener Schubhäftlinge  
und Mitarbeit beim NGOUNCHR-Forum  
Salzburg 1998. Wir haben Flüchtlinge aus Ruanda, Palästina, Afghanistan, Sri Lanka und viele andere betreut. Auch jetzt haben wir zwei Flüchtlinge in unserem Heim und versuchen, ihnen das Leben einfacher zu machen."  

St. Josef ist inzwischen sechs Jahren alt. Der fünfte Geburtstag wurde im November 1997 ausgiebig gefeiert. Im Moment wohnen StudentInnen aus Kamerun, Burundi, Afghanistan, Palästina, Marokko, Slowenien, Bulgarien, Frankreich, Algerien, Kuba, Togo, Polen, Bosnien, Deutschland und Österreich in St. Josef.  

Denken Sie, daß in all' diesen Ländern die  
Mülltrennung üblich ist?  

Solche Kleinigkeiten machen das Leben  
interessanter. Eines der anstehenden Feste wird aufgrund einer Überschwemmung im Heim  
organisiert. Bei diesem Unglück wurde die Geige eines Mozarteumsstudenten beschädigt und die Reparaturkosten werden hoffentlich mit den Einnahmen einer Party getilgt sein.  
Die StudentInnen haben sich organisiert, denn  mit Solidarität und Hilfsbereitschaft lebt es sich bei weitem einfacher. So sieht das Leben in "St. Joe" also aus. Falls jemand nun neugierig geworden ist und uns besser kennenlernen möchte, dann schau' doch einfach mal bei uns vorbei!     

 
Treffen in traditionellen Gewaendern -
Einzigartig in Österreich.  

Ein Fest! 

Lernen:
"Miteinander zu leben"

Unterschiede werden nebensächlich!























Montfort Nibize 
aus Burundi









Rosemarie Wagner 
aus Freistadt




Gemuetliches Beisammensitzen - 
Die Brücke zur Integration





   

Die Kleinigkeiten:

Einladung zum 
5. Jahresfest
des St. Josef



Afrikanisches Fest

 
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