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St. Josef - kein gewöhnliches Heim für Studierende, sondern ein
Ort, an dem man lernt "miteinander zu leben". Studenten aus aller
Welt erfahren hier, wie einfach oder schwierig es ist, kulturelle
Unterschiede
zu überwinden.
Bei einem Spaziergang durch die Salzburger Altstadt begegnet man
Touristen aus aller Welt.
Die Unterschiede zwischen den Kulturen werden auf den ersten Blick
offensichtlich: schüchterner Japaner trifft selbstbewußten Amerikaner
und lauten Italiener.
Um wieviel interessanter aber wäre es, mit all
diesen Leuten zusammenzuleben?
Die StudentInnen des Heim St. Josef haben die Möglichkeit, diese
Erfahrungen zu machen.
St. Josef ist in seiner Idee einzigartig in Österreich.
Der von Anfang an geltende Grundsatz, 50% der 44 Heimplätze an StudentInnen aus dem Ausland, v.a. aus Afrika, Asien, Lateinamerika und dem ehemaligen Ostblock
und 50% an InländerInnen zu vergeben, soll in Zeiten der AusländerInnenfeindlichkeit
und der
Angst vor "Überfremdung" der Beweis dafür sein, daß Zusammenleben
von Menschen
unterschiedlichster Kulturen und Nationalitäten gelingen kann.
Ein wesentlicher Grundsatz dieses Hauses ist die völlige Gleichstellung
von In- und AusländerInnen in ihren Rechten und Vertretungsmöglichkeit,
in der Heimvertretung in internen Angelegenheiten mitzubestimmen
und die Verantwortung mitzutragen. Ghettobildungen welcher Art
auch immer werden dadurch vermieden, daß ÖsterreicherInnen und
AusländerInnen in den Flügeln der vier Stockwerke zusammen wohnen.
Alle BewohnerInnen haben somit
die Gelegenheit, Kultur, Sprache und
Lebensgewohnheiten der anderen kennenzulernen und zu akzeptieren.
Denn nur so kann "miteinander leben" funktionieren.
Die BewohnerInnen des StudentInnenheimes werden durch das Zusammenleben
auf engstem Raum für die Probleme von AusländerInnen sensibilisiert
und damit konfrontiert, daß multi kulturelles Zusammenleben
kein "rosaroter" Traum voll Harmonie, Friede und Einheitsbrei
ist, sondern an harte Grenzen stößt.
Es bringt Probleme und Schwierigkeiten mit sich, die von allen
Beteiligten Mut, Konfliktfähigkeit und Toleranz abverlangt. Soziales
Engagement, politisches Denken und Selbständigkeit werden von
jedem einzelnen gefordert, um die Idee einer interkulturellen
Gesellschaft umsetzen zu können.
Seit der Eröffnung im Herbst 1992 haben
150 Menschen aus allen Erdteilen dieses Heim
bereichert und die Idee des "interkulturellen Miteinander" verwirklicht.
Ein großes Kloster in der Hellbrunnerstraße.
Beim ersten Blick fällt uns nichts offensichtlich
besonderes oder außergewöhnliches auf.
Doch schon beim Betreten des Klosters wird uns klar:
Hier begegnen wir keineswegs einer Nonne, sondern Leuten aus aller
Welt. Leuten, die zusammen kochen, essen, tanzen, streiten, feiern
einfach
alles machen.
Wir haben uns erkundigt und nachgefragt, wie man sich als Student
oder Studentin in einem solchen Heim fühlt?
Montfort Nibize aus Burundi: "Ich wollte einfach ins Ausland fahren,
Deutsch lernen und neue Leute treffen. Ich war schon in Salzburg
und habe auf der Uni einen Freund getroffen, der hier gewohnt
hat.
Jetzt bin ich schon drei Jahren da und finde es gut, daß es so
was gibt. Ich habe hier verschiedene Nationalitäten, Sprachen
und Kulturen kennengelernt.
Das gefällt mir sehr. Ich mag aber nicht, wenn
Österreicher Dialekt sprechen und ich überhaupt nichts verstehen
kann. Es ist für mich anders hier zu sein, als zum Beispiel für
einen Arbeiter.
Ich studiere hier, bin bewußt weg von zu Hause und habe ein Ziel.
Die Leute die für immer da bleiben und vielleicht nur schlecht
Deutsch sprechen, fühlen sich sicher anders. Ich denke, daß das
auch von der Person abhängt. Wenn ich viele Freunde habe, offen
bin und aus mir herausgehe, dann fühle ich mich nicht allein
aber
eines steht fest: zu Hause bleibt immer zu Hause!"
Rosmarie Wagner aus Freistadt: "Ich denke, daß in St. Josef meistens
Leute wohnen, die sich für andere Kulturen interessieren. Ich
habe immer daran geglaubt, daß eine multikulturelle Gesellschaft
möglich ist. Es ist nicht immer einfach, hier zu wohnen, aber
man lernt seine Grenzen kennen. Ich sehe mir nun die Nachrichten
bewußter an, weil ich Leute aus verschiedenen Ländern kenne und
so auch mit ihnen diskutieren kann. Ich denke, es wäre besser,
wenn Österreicher die Ausländer persönlich kennenlernen würden.
Es würde das Verhältnis entschieden verbessern. Wenn man ähnliche
Interessen hat, sind bestimmte Dinge, wie die Nationalität oder
die Herkunft nicht wichtig. Die Unterschiede sind nicht mehr so
groß."
Die Brücke ein Verein zur Unterstützung und
Begleitung von Flüchtlingen ist einer der
Arbeitskreise, die im Rahmen der Katholischen Hochschulgemeinden
bestehen. Es werden
immer wieder verschiedene Aktivitäten veranstaltet, an denen die
StudentInnen von St. Josef teilnehmen. Robert Korec aus Lienz,
auch Heimbewohner, ist leitender Mitarbeiter des Vereins: "Die
Brücke bietet jährlich drei Flüchtlingen für ein Studienjahr Unterkunft
und Betreuung, um ihnen Integration und den Aufbau einer Lebensgrundlage
zu ermöglichen. Unsere weiteren Arbeitsbereiche sind Veranstaltungen,
Öffentlichkeitsarbeit,
die Betreuung entlassener Schubhäftlinge
und Mitarbeit beim NGOUNCHR-Forum
Salzburg 1998. Wir haben Flüchtlinge aus Ruanda, Palästina, Afghanistan,
Sri Lanka und viele andere betreut. Auch jetzt haben wir zwei
Flüchtlinge in unserem Heim und versuchen, ihnen das Leben einfacher
zu machen."
St. Josef ist inzwischen sechs Jahren alt. Der fünfte Geburtstag
wurde im November 1997 ausgiebig gefeiert. Im Moment wohnen StudentInnen
aus Kamerun, Burundi, Afghanistan, Palästina, Marokko, Slowenien,
Bulgarien, Frankreich, Algerien, Kuba, Togo, Polen, Bosnien, Deutschland
und Österreich in St. Josef.
Denken Sie, daß in all' diesen Ländern die
Mülltrennung üblich ist?
Solche Kleinigkeiten machen das Leben
interessanter. Eines der anstehenden Feste wird aufgrund einer
Überschwemmung im Heim
organisiert. Bei diesem Unglück wurde die Geige eines Mozarteumsstudenten
beschädigt und die Reparaturkosten werden hoffentlich mit den
Einnahmen einer Party getilgt sein.
Die StudentInnen haben sich organisiert, denn mit Solidarität und Hilfsbereitschaft lebt es sich bei weitem
einfacher. So sieht das Leben in "St. Joe" also aus. Falls jemand
nun neugierig geworden ist und uns besser kennenlernen möchte,
dann schau' doch einfach mal bei uns vorbei! |